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Unser Leseangebot

Kennst du die Brüder Grimm? 
Kurt Franz und Claudia Maria Pecher

2012, 120 Seiten, ab 14 Jahre


ISBN: 978-3-86397-004-8
Preis: bis 24.12.2012 Grimmjubiläumspreis 12 € /14,80 € 

Es waren einmal zwei Brüder. Sie hießen Jacob und Wilhelm Grimm und lebten zusammen und waren untrennbar. Gemeinsam hatten sie einen Traum: Sie wollten alle deutschen Märchen sammeln und aufschreiben, damit alle Menschen sie lesen konnten.

Der löblichen Innung der Krokodile zu München

Der löblichen Innung der Krokodile zu München

Victor von Scheffel

Joseph Victor von Scheffel wurde am 16. Februar 1826 in Karlsruhe geboren und verstarb am 9. April 1886 dort. Er war ein deutscher Schriftsteller, Autor, Erzähler und Dichter. Außerdem sind mehrere bekannte Liedtexte auf ihn zurückzuführen.
Von 1843 bis 1847 studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in München, Heidelberg und Berlin. 1849 promovierte er zum Doktor der Rechte. Im Winter 1852 begab er sich nach Italien, um sich an der Malerei zu probieren. Stattdessen entdeckte er auf dieser Reise die Liebe und sein Talent zur Dichtkunst.
Seinen Wirkungsbereich als Dichter hatte er hauptsächlich in München. 1856 fand er dort Anschluss an den Münchner Dichterkreis. 1876 wurde er geadelt. 4 Jahre später verstarb er im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer fortschreitenden Gehirnerkrankung.

                                                                                                                                       

Julia Meyer

 

Der löblichen Innung der Krokodile zu München

(Joseph Victor von Scheffel, 1860; Aus der Sammlung Widmungen)


 Ein Siedler in fremden Gewässern spricht:

"Gott grüß euch, ihr Krokodile,
Die ihr zu München am Isarstrand
Euch sonnt wie die Ahnen am Nile.

Wohl euch, die zu grimmig beschuppter Schar
Sich fest dort zusammengeschlossen;
Krokodil-Einheit ist ein selten Juwel,
Ich reich' euch die Bruderflossen!

Ich bin in der Zeiten zickzackigem Strom
Derweil zu dem Chiemsee geschwommen,
Zwischen Rimsting, Feld wies und Arlaching
Hab' ich meinen Standort genommen.

Hier nähr' ich mich redlich nach Völkerrecht
Und verschlinge, was ich erwische,
Schiklinge und Trüschen und Renken und Hecht',
Selbst Nasen und andere Fische.

Ich denk' wie Apicius zur Zeit des Verfalls:
"Gut Essen schützt vor dem Hades."
Ein Trüschenleberlein, teuerste Freund',
Ist etwas gar Delikates.

Glänzt dann der Mond ob der Kampenwand,
So geh' ich in mich und strebe
Nach dem heiligen Eiland Frauenwörth
Und der Deckelglas füllenden Hebe.

Seit jener Geiger am Nil spaziert,
Sitz' ich lieber selber beim Viere,
Als daß ich durch trunkene Mustri
Am Ufer mein Leben verliere.

Ich wälze mich langsam den Strand empor -
Gott grüß dich, altheilige Linde,
Bei der ich in Dumbsers gastlichem Haus
Den ersehnten Vesperschlurf finde.

O wohl mir, darf ich den Schuppenleib
Dort unter dem Zunftschilde strecken!
Nicht konnt' ich am Ganges je, noch am Nil,
Solch trauliche Herberg' entdecken.

Und Halbe schwindet um Halbe hinweg,
Bis die Leber satt sich gesogen -
O, fraget den Mond und die Sterne nicht,
Wie zurück ich mich wälz' in die Wogen . . .

So leb' ich als Chiemsee-Krokodil
Treufleißig und ohne Ermattung,
Nur eins, ihr Freunde, ist traurig: ich bin
Das einzige hier meiner Gattung.

Weiht eine Thräne, ihr Freunde, mir!
Der Mann gehört zu dem Weibe;
Es ist auch dem Krokodil nicht gut,
Daß es allein verbleibe.

Jüngst trugen an Thassilos Nonnenstift
Vorüber mich Winde und Wellen,
Da schielt' ich verstohlen, ich weiß nicht, warum,
Empor zu den heiligen Zellen.

Und als ich die Töchter der Klosterpension
Ersah, die am Fenster gesessen,
Da überschlich mich erbsündlich und bös
Die Neigung zum Menschenfressen.

Doch ich bezwang mein beschupptes Herz
Und weiß Entsagung zu üben -
Ich möchte um keinen Preis in der Welt
Die Klosterfrauen betrüben!"