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Die Abenteuer des kleinen Zauberers (Auf der Suche nach Fips)
Ines Lägel/Petra Lefin
2007, 48 Seiten, Hardcover

ISBN 978-3-937601-50-2
Preis 12,80 €

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Kennst du Bertolt Brecht?
Gudrun Schulz
2013, 156 Seiten + CD, ab 16 Jahre 

Und der Haifisch, der hat Zähne /Und die trägt er im Gesicht/ Und Macheath, der hat ein Messer /Doch das Messer sieht man nicht.

Dieser neue freche Ton des jungen Brecht revolutionierte das Theater. Seine Stücke sind aufrüttelnd, kritisch und richten sich gegen die bürgerliche Gesellschaft seiner Zeit. Er will dem Zuschauer die Augen öffnen und ihn zum eigenen Denken motivieren. „Ändere die Welt, sie braucht es!", so Brecht. 

ISBN 978-3-86397-020-8
Preis 19,80 €

Michael Ende

Ulrike Unger

Geschichtenerzähler und Sprachzauberer

„Es gibt Menschen, die können nie nach Phantásien kommen", sagte Herr Koreander, „und es gibt Menschen, die können es, aber sie bleiben für immer dort. Und dann gibt es noch einige, die gehen nach Phantásien und kehren wieder zurück. So wie du. Und die machen beide Welten gesund."

                                                                                  (Aus: »Die unendliche Geschichte«)

In meiner Kindheit gab es viele Bücher. Jene, die mich heute als Erwachsene immer noch rufen, die ich ganz tief in mir aufgenommen habe, das sind die Bücher von Michael Ende.

Er war ein Erzähler, der seinen Geschichten zutraute, sich selbst zu erfinden. Das klingt ungewöhnlich, hatte aber einen einfachen Grund. Michael Ende hielt sich nie für einen Schriftsteller, sondern fühlte sich vielmehr den einfachen Märchenerzählern verwandt. Zeit erkannte er als treibenden Faktor nicht an. Hektik hätte der spontanen Lust am Fabulieren nicht gut getan, denn das faszinierte Ende: Beim Schreiben etwas in sich zu entdecken, von dem man selber vorher nicht wusste, dass es in einem steckte. Schreiben betrachtete er als Abenteuer. Und das aus einem ganz und gar seriösen Blickwinkel.

1929 wurde Michael Ende in Garmisch-Partenkirchen als Sohn des Malers Edgar Ende und Luise Bartholomä geboren, die ein kleines Geschäft für Edelsteine und Spitzen betrieb. Aufgewachsen im Münchner Stadtteil Schwabing, zwischen Bildhauern, Literaten und Malern, waren Künstlerwelten das Zentrum seiner Kindheit. Das Atelier des Vaters war Wohn- und Arbeitsort zugleich. Durch die Decke aus Glas, konnte das Kind Michael mit dem Blick zu den Sternen einschlafen. Viel verdankte es dem Vater, der ihm ein fundiertes Kunstwissen vermittelte. Doch es war noch mehr als das.

Die surrealistischen Gemälde Edgar Endes führten den Jungen in eine grenzenlose Welt der Phantasie ein. Beide tauschten sich aus über Religion, Mythologie, Philosophie und Kunst, oft leidenschaftlich und stundenlang. Immer kam den Fragen der Kunst und Spiritualität ein hoher Stellenwert zu. Bald stellten sie für ihn wie selbstverständlich eine stärkere Wirklichkeit als die Realität dar. Regelmäßig gesellten sich Gesprächspartner zur Familie. Dieses gemeinsame Kunsterleben mit Freunden entwickelte sich zu einem geselligen, bekräftigendem Miteinander. Michael Ende empfand die Atmosphäre, die ihn in seiner Kindheit umgab, als ungeheuer lebendig und inspirierend.

In der Nachbarschaft versammelte er sich mit anderen Kindern häufig um einen skurrilen Maler, der es verstand Märchen zu erwecken. Die Begegnung mit dem verrückten Geschichtenerfinder prägte den Jungen nachhaltig. Der Zirkus, Mythen, Magier und Gaukler sollten für ihn im Laufe der Jahre als Symbolbild künstlerischen Schaffens in die Welt treten.

Nach Schule und Krieg absolvierte Michael Ende eine Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg Schule der Münchner Kammerspiele und spielte danach an kleinen Bühnen in Schleswig-Holstein. Diese Arbeit frustrierte ihn aber mehr, als dass sie ihn ermutigte. Er las sich lange in die Werke Brechts ein und verehrte dessen Konzept des epischen Theaters. Als er Brecht während einer Inszenierung der „Mutter Courage" schließlich persönlich erlebte, war er von dessen herablassender Art seinen Mitmenschen gegenüber abgestoßen. Ende schrieb bald auch für politische Kabaretts, die in den fünfziger Jahren einen großen Aufschwung erlebten. Nebenbei besserte er seine Finanzen mit Filmkritiken für den Bayrischen Rundfunk auf.

1960 hatte Michael Ende für einen Bekannten nur eine kurze Bilderbuchgeschichte verfassen wollen, aus der jedoch am Schluss ein mehrere hundert Seiten umfassendes Manuskript entstand, das den Namen „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" trug. Sein erster großer Bucherfolg, für den er noch im selben Jahr den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt.

1972 erschien der wunderbare Märchen-Roman „Momo". Michael Ende hatte das Buch in Genzano di Roma in Italien geschrieben, weil er sich durch die Eskapismus-Debatte in Deutschland, die einem phantastischen Schriftsteller wie ihm Realitätsflucht vorwarf, schon länger eingeengt fühlte. Der Einfall zu „Momo" hatte sich beim Betrachten einer alten Taschenuhr, die keine Zeiger mehr besaß, entwickelt. Es ist bis heute eines der visionärsten Bücher Endes. Hinter der Geschichte um das Mädchen, das die Menschheit vor den zerstörerischen Kräften der Zeitdiebe bewahrt, steht eine handfeste Kritik an den globalen Finanzsystemen und dem fatalen Irrglaube an unbeschränktes ökonomisches Wachstum.

1979 stand dann Endes vor Ideen und magischen Gestalten explodierendes Buch-Großprojekt „Die unendliche Geschichte" in den Geschäften. Die erste Auflage war innerhalb kürzester Zeit verkauft. Die immens packende Erzählung von Bastian Balthasar Bux, der ins Nichts springt, um das unmittelbar vom Untergang bedrohte Phantásien zu retten, indem er es selbst neu erfindet, begründete den internationalen Ruhm Michael Endes.

1995 erlag der Autor, der nie ausschließlich für Kinder oder Erwachsene, sondern hauptsächlich für das Kind im Menschen geschrieben hatte, in der Filderklinik bei Stuttgart 65-jährig einem Magenkrebsleiden. Michael Ende war immer auf der Suche nach Zauberworten, durch die die Welt einen neuen Sinn erhalten könnte. Diesen hohen Anspruch an die Kunst hat er sein Leben lang vertreten.

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Quellen: