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Silvia Frank
Kennst du Georg Büchner? 

Heute gilt Büchner unbestritten als Begründer der modernen deutschen Literatur. Lassen Sie sich auf eine Begegnung mit dem rebellischen und jung verstorbenen Dichter und seinem ungewöhnlichen Werk ein.

Thomas Mann

Thomas Mann in München 

„Wann immer ich Münchener Laute höre, Münchener Tonfall, wird es mir warm ums Herz."

So schrieb Thomas Mann 1955 in einem Brief aus Kilchberg/Schweiz an den Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Da lagen bereits 20 Jahre hinter ihm, nachdem er Deutschland den Rücken gekehrt hatte. Es steckt eine versöhnliche, fast nostalgische Färbung in diesen Worten. Solche hatte der große Erzähler nicht immer für die bayrische Wahlheimat gefunden, wenngleich er beinah 40 Lebensjahre in München verbracht hatte.

Im Rückblick, in der Erinnerung war ihm die Stadt dann aber doch ein Stück Heimat geworden. Denn München bot ihm die geeignete Kulisse, um einige der wichtigsten Etappen seiner Biographie zu vollziehen. Hier wurde Thomas Mann zu dem Weltklasse-Schriftsteller, als der er bekannt ist.

1894 kam der junge Hanseat aus Lübeck in die süddeutsche Metropole. Er hatte einen mäßigen Schulabschluss mittlerer Reife in der Tasche. Die Mutter Julia Mann, die sich nach dem Tod ihres Gatten nicht mehr wohl im Norden gefühlt hatte, war schon ein Jahr vorher mit Thomas´ Geschwistern eine Wohnung in der Rambergstraße 2 in München-Schwabing gezogen. Der Sohn war noch etwas unentschlossen seine berufliche Laufbahn betreffend, eine bürgerliche sollte es sein. Er brach jedoch die Anstellung bei einer Versicherung ab, als sich die ersten kleinen schriftstellerischen Erfolge in Form von Veröffentlichungen in Zeitschriften einstellten. Außerdem begann er zu studieren, um journalistisch tätig werden zu können. München war die Wiege seines ersten Buchs, des Gesellschaftsromans Buddenbrooks (1901), der literarische Weltgeltung erlangen sollte. Fast vier Jahre schrieb er daran. Das Buch verkaufte sich schon nach kurzer Zeit so gut, dass Thomas Mann bald finanziell unabhängig war und viel Anerkennung für seine Arbeit erntete. Er verkehrte nun bei den angesehensten Münchner Familien und lernte auch Katia Pringsheim kennen. Ihr Professoren-Elternhaus gehörte zur besten Adresse der Stadt. Katia war nicht nur die erste Münchner Abiturientin, sondern auch selbstbewusst und temperamentvoll. Sie gefiel ihm. Der „schwebenden Existenz" seines Künstlertums wollte er nun eine Verfassung geben, sich ein geordnetes Leben schaffen. Seine Ehe mit Katia Pringsheim wurde zur Legitimation seines Autorendaseins im Großbürgertum. Seine Frau hatte einen entscheidenden Anteil an Thomas Manns Erfolg als Autor, denn sie war es, die ihm organisatorisch den Rücken freihielt.

In rascher Abfolge wurden die ersten vier Kinder der Manns geboren: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910). Die Wohnung der Familie in der Franz-Joseph-Straße 2, wurde daraufhin zu eng.

Im Januar 1914 verlagerten die Manns ihren Wohnsitz in eine große Villa in der damaligen Poschingerstraße 1 im Herzogpark an der Isar. Die Kinder gaben dem vierstöckigen Anwesen später den Spitznamen „Poschi". Der ausgestopfte sibirische Braunbär, das Familienerbstück aus Lübecker Tagen, einst Geschenk aus St. Petersburg an die Eltern Thomas Manns, fand hier einen neuen Standort. Katia fehlte beim Einzug, sie war zu dieser Zeit in den Schweizer Bergen, um sich von einem Lungenleiden zu erholen. Thomas Mann ließ Erlebnisse und Schilderungen ihres Sanatoriums-Aufenthaltes in Davos in seinen Roman Der Zauberberg einfließen, der 1924 veröffentlicht wurde. Im Herzogpark lebte die Familie in Nachbarschaft mit Wissenschaftlern und Künstlern. Zu einem kleinen literarischen Zentrum etablierte sich Thomas Manns Münchner Villa während der Weimarer Republik. Freunde und gute Bekannte lockte das intellektuelle Flair in sein Haus.

1929 durften ihn seine beiden Jüngsten, Elisabeth (geb.: 1918) und Michael (geb.: 1919), aufgrund des besonderen Anlasses aus der stets streng verteidigten Nachmittagsruhe wecken, um Thomas Mann die Botschaft von der Verleihung des Nobelpreises für die Buddenbrooks zu überbringen. Besonders überrascht war der Schriftsteller aber nicht, waren doch bereits einige Jahre früher Mutmaßungen dazu erfolgt. Einen Großteil des Preisgeldes verloren die Manns, als das Dritte Reich ihre zurückgelassenen Besitztümer beschlagnahmte. Die Emigration 1933 glich einem überstürzten Aufbruch. Schon länger hatte Thomas Mann die politischen Entwicklungen in Deutschland mit Missfallen und Skepsis beobachtet. Entsetzt war er über den Rückfall eines vermeintlich reifen Kulturvolkes, für das er die Deutschen bis dahin gehalten hatte, in Rohheit und Barbarei.

Thomas Mann in seinem Heim in München
Thomas Mann in seinem Heim in München
Nach einer Vortragsreise, gemeinsam mit seiner Frau und einem anschließenden Winterurlaub im Schweizerischen Arosa entschieden sich die Manns, nicht nach München zurückzukehren. Nach und nach folgte der Nachwuchs ins Ausland. Besonders fürchtete Thomas Mann 1933 um seine Tagebücher, die er nicht in Nazi-Hände fallen lassen wollte. Seinem Sohn Golo verdankte er deren Rettung in die Schweiz.

Thomas Mann und München - das war oft ein ambivalentes Verhältnis. Zumindest manchmal machte die Stadt auf ihn einen fragwürdigen Eindruck. Das Bild, das er von ihr hatte bei seinen Spaziergängen durch die Umgebung der ruhigen Vorstadtlage, war regelrecht von Euphorie geprägt. Den Herzogpark nannte er gern den „Zaubergarten", wie es in seiner Erzählung „Herr und Hund" nachzulesen ist. Seine Kritik an München richtete er vor allem gegen ein seiner Meinung nach dort vorherrschendes banales Kunstverständnis. Das berühmte Zitat „München leuchtete.", dass seiner Novelle Gladius Dei von 1902 entstammt, ist keine platte Schwärmerei, sondern die gesamte Erzählung ein ironischer Angriff Thomas Manns auf die Renaissance-Vorlieben der Münchener Kunstszene und ein Plädoyer für die Freiheit der Kunst.

 

Bildquellen: 

Vorschaubild, Thomas Mann, gemeinfrei

Thomas Mann in München, Bundesarchiv, Bild 183-R15883 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0