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André Barz
Kennst du E.T.A. Hoffmann?

"Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee oder eine heiße Schokolade? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich?"

Dieses Buch, versehen mit allerlei Bildern und Zeichnungen, macht es leicht E.T.A. Hoffmann kennenzulernen. Das Beste daran ist, der "erste Fantasy-Dichter" erzählt ganz persönlich sein Leben, davon, wie er eigentlich Musiker werden wollte und dann doch Schriftsteller geworden ist, obwohl ihn das nie interessiert hat, und von seinen Erfahrungen mit der Liebe. Nebenbei gibt er einige seiner Märchen und Erzählungen zum besten.

Auf der Oktoberwiesen

Auf der Oktoberwiesen

Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz lebte zehn Jahre in München, bevor er 1930 nach Berlin zog. Im Grunde seines Herzes war er aber ein Weltenbummler, den der Ruf der Ferne schon früh auf einen abenteuerlichen und auch leidvollen Weg schickte.

Der abgedruckte Text karikiert die Eigenheiten der bayrischen Hauptstadt im gewohnt amüsanten Satire-Ton des Joachim Ringelnatz. Erschienen ist das Gedicht in der Sammlung „Reisebriefe eines Artisten″ (1927), die vor dem Hintergrund seiner Reisen als Vortragskünstler entstand. Seine Auftritte im Matrosenanzug führten den Schriftsteller in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Ulrike Unger


MÜNCHEN

Nach einer Herrenstammtischnacht
(Versehentlich an die Steuerbehörde gesandt)

 


Die Amseln flöten am Stachus.
Am Sendlingertorplatz nach Schwabinger Nacht
Schimpfen Caprivi und Bacchus
Auf eines Wasserspringbrunnens Pracht.
Jemand, der seinen Doktor gemacht
Hat, fühlt sich als ein Riese
Und brüllt als wie am Spieße. –
Auf der Oktoberwiese:
Die Bavaria: – lacht.
Vor Mittag wünschen zweie
Sich „Angenehme Ruh!″
Der dritte Chargierte Immerzu
Feiert noch Bannerweihe.
Im Donisl blühn die Weißwürste.
Im Schlachthof brüllt anderthalb Kalb.
Und reaktionäre Dürste
Erheben sich allenthalb ...
Die Frauentürme verwechseln
Sich selber. Von unten her
Kurzwichsig mit Jodeln und Sächseln
Hebt sich der Fremdenverkehr.
Da lassen sich aus Venedig
Die Tauben und Witwen und Ehefraun
Am Theatiner rundum beschaun
Und trippeln, als seien sie ledig.
Und weil ich mich eben so freue,
Mal ohne Frau, auf verbotenem Weg,
Drum preis' ich die alte und neue
Pinako – Pinako – – kothek.

 

***

Joachim Ringelnatz: Reisebriefe eines Artisten. Berlin: Rowohlt 1928. S. 129–130.

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