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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Auf der Oktoberwiesen

Auf der Oktoberwiesen

Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz lebte zehn Jahre in München, bevor er 1930 nach Berlin zog. Im Grunde seines Herzes war er aber ein Weltenbummler, den der Ruf der Ferne schon früh auf einen abenteuerlichen und auch leidvollen Weg schickte.

Der abgedruckte Text karikiert die Eigenheiten der bayrischen Hauptstadt im gewohnt amüsanten Satire-Ton des Joachim Ringelnatz. Erschienen ist das Gedicht in der Sammlung „Reisebriefe eines Artisten″ (1927), die vor dem Hintergrund seiner Reisen als Vortragskünstler entstand. Seine Auftritte im Matrosenanzug führten den Schriftsteller in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Ulrike Unger


MÜNCHEN

Nach einer Herrenstammtischnacht
(Versehentlich an die Steuerbehörde gesandt)

 


Die Amseln flöten am Stachus.
Am Sendlingertorplatz nach Schwabinger Nacht
Schimpfen Caprivi und Bacchus
Auf eines Wasserspringbrunnens Pracht.
Jemand, der seinen Doktor gemacht
Hat, fühlt sich als ein Riese
Und brüllt als wie am Spieße. –
Auf der Oktoberwiese:
Die Bavaria: – lacht.
Vor Mittag wünschen zweie
Sich „Angenehme Ruh!″
Der dritte Chargierte Immerzu
Feiert noch Bannerweihe.
Im Donisl blühn die Weißwürste.
Im Schlachthof brüllt anderthalb Kalb.
Und reaktionäre Dürste
Erheben sich allenthalb ...
Die Frauentürme verwechseln
Sich selber. Von unten her
Kurzwichsig mit Jodeln und Sächseln
Hebt sich der Fremdenverkehr.
Da lassen sich aus Venedig
Die Tauben und Witwen und Ehefraun
Am Theatiner rundum beschaun
Und trippeln, als seien sie ledig.
Und weil ich mich eben so freue,
Mal ohne Frau, auf verbotenem Weg,
Drum preis' ich die alte und neue
Pinako – Pinako – – kothek.

 

***

Joachim Ringelnatz: Reisebriefe eines Artisten. Berlin: Rowohlt 1928. S. 129–130.

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